Expeditionstag im Weddell-Meer

© Page Chichester
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Heute war Expeditionstag, d.h. das Eis bestimmte den Weg.
Oder: "Eisschollen schubsen und Eisberge rempeln"

 

Um 4 Uhr wurde ich von einem lauten Geräusch geweckt. Es hörte sich nicht wie eine große Welle an, sondern wie Eis. Ich öffnete die absolut lichtundurchlässigen Vorhänge ein wenig und konnte Eisschollen im Morgenrot sehen. Also schön warm anziehen, die Kamera richten und raus aufs Deck! Ca. 15 Mitreisende waren mit mir draußen. Es war eine ganz besondere Stimmung, irgendwie noch ganz still. Die Pinguine waren natürlich schon wach und liefen über die Eisschollen und sprangen durchs Wasser auf der Suche nach Nahrung. Um 4:30 Uhr war Sonnenaufgang und um 5 Uhr lag ich wieder im Bett.

Es war grob geplant, dass wir die tschechische Station Mendel (James Ross Island) besuchen. Leider war so viel Eis am Strand aufgetürmt, dass eine Anlandung unmöglich war.

 

Also wurde der Plan geändert und wir fuhren bei sehr starkem Wind zwischen den Eisschollen hindurch bzw. schubsten sie zur Seite. Alle Offiziere waren auf der Brücke, denn jeder wurde gebraucht und es war eine besondere Gelegenheit, um wertvolle Erfahrungen im Eis zu sammeln.

 

Wir fuhren durch den Herbert Sound und umrundeten Vega Island. Dabei wollten wir auch durch frisches Meereis fahren - die Expertin Heike Fries sagte noch: "Es ist butterweich."
...und schon steckten wir fest. Ganz vorsichtig wurde die BREMEN ein Stück rückwärts manövriert, was ein sehr schwieriges Unterfangen war, denn das Ruder durfte nicht durch Eis beschädigt werden. So leicht wollte der Kapitän jedoch nicht aufgeben und versuchte es noch einmal - und blieb wieder in dem ca. 70-80 cm dicken Eis stecken. Schade, aber so ist nun einmal ein Expeditionstag  - nicht planbar. Also wieder ganz vorsichtig zurück.

 

Die meiste Zeit des Tages verbrachte ich draußen an Deck, denn es gab viel zu sehen: das stets wechselnde Eis, Pinguine, Buckelwale (weiter entfernt), Robben, Eisberge... Die Back (das Vorschiff) wurde für uns freigegeben und wir konnten ganz vorne am Bug stehen und die Fahrt durch das Eis von dort verfolgen. Außerdem war auch heute den ganzen Tag die Brücke offen und es war faszinierend, dem Kapitän und seiner Crew bei der Arbeit in diesen schwierigen Gewässern zuzusehen.

Nach dem Mittagessen konnten wir die Landschaft bei Sonnenschein und Windstille genießen. Auf dem Pooldeck wurde für das Abendessen eingedeckt: Grill-Party oder auch "BREMEN Freimarkt". Es gab auch Spanferkel.

Und zum Ausklang des Tages erlebten wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang um 21:30 Uhr.

Mit dem Sonnenuntergang geht ein wunderbarer Tag im Eis zu Ende
Mit dem Sonnenuntergang geht ein wunderbarer Tag im Eis zu Ende